Ein Text von David Issmer

Sie tragen schillernde Namen wie Superfund, Fortress, Blackstone, Permira und Cerberus. Franz Müntefering hat sie vor einiger Zeit unter einem noch anschaulicheren Begriff zusammengefasst: „Heuschrecken“.
Gemeint sind die Hedge-Fonds. Hinter diesem schillernden Begriff verbergen sich Geldanlagen, die unabhängig von den Entwicklungen am Aktienmarkt Erträge erwirtschaften sollen. Ein Hedge-Fond ergreift dazu alle Maßnahmen zur Absicherung seines Vermögens gegen Verluste, etwa indem er auf fallende Kurse spekuliert und so selbst bei einer Verschlechterung am Markt Geld verdient.
Bei den heutigen Hedge-Fonds geht es allerdings kaum noch um eine Absicherung, sondern vielmehr um die Vermehrung des Vermögens. Dazu investieren Hedge-Fonds in praktisch alles, was auf den internationalen Kapitalmärkten gehandelt wird: Währungen, Aktien, Rohstoffe. Sie erwerben auch Anteile an Firmen oder ganze Unternehmen.
Vor allem Versicherungen, Pensionskassen und Stiftungen legen Kapital in solchen Fonds an. So sind mehr als die Hälfte der oft mit sehr viel Geld ausgestatteten US-amerikanischen Stiftungen in Hedge-Fonds investiert. Die größten dieser Stiftungen, wie z.B. die der Harvard-Universität, halten 20 Prozent ihres Vermögens in solchen Fonds.
Das besondere Kennzeichen der Hedge-Fonds liegt darin, dass sie im Gegensatz zu den üblichen Investmentfonds keinerlei Aufsicht und Überwachung unterliegen. In den Vereinigten Staaten müssen sie sich noch nicht einmal registrieren lassen. Auch wenn die meisten Hedge-Fonds von den Finanzzentren New York und London aus agieren, sind viele dieser Fonds angemeldet in Steuerparadiesen wie den Cayman-Inseln und den britischen Kanalinseln.
In ihrer Anlagepolitik, die sie in der Regel nicht veröffentlichen, sind die Hedge-Fonds völlig frei. Während die herkömmlichen Investmentfonds aus Gründen des Anlegerschutzes an strenge Anlagevorschriften gebunden sind, dürfen Hedge-Fonds alle Kapitalmarktinstrumente nutzen. Sie können sogar mit geliehenem Geld agieren. Diese größere Flexibilität hat sich in der Vergangenheit in hohen Renditen niedergeschlagen, was zu einem kräftigen Aufschwung dieser Fonds geführt hat. Gab es vor wenigen Jahren weltweit erst ein paar hundert Hedge-Fonds, so existieren heute fast 10.000 dieser Kapitalsammelstellen.
Das von diesen Fonds verwaltete Kapital hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt, es wird heute auf 1.400 Mrd. US-Dollar geschätzt. Da die meisten dieser Fonds aber auch noch Kredite aufnehmen, ist das ihnen zur Verfügung stehende Kapital noch wesentlich größer. Es wird geschätzt, dass das gesamte Anlagevolumen der Hedge-Fonds dadurch bis zu 10.000 Mrd. Dollar erreicht. (Nur zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands 2006 lag bei umgerechnet rund 3.000 Mrd. US-Dollar!) Da die finanzierenden Banken für den Kredit geradestehen müssen, lassen sie sich die Arbeitsweise des einzelnen Fonds genau erklären und entscheiden dann, ob sie einen Kredit gewähren. Insofern herrscht den Banken gegenüber also eine gewisse Transparenz.
Kapitalballungen in dieser Größenordnung haben einen beträchtlichen Einfluss auf die internationalen Kapitalmärkte und deren Stabilität. So kann der Zusammenbruch eines großen Hedge-Fonds andere Finanzmarktakteure, insbesondere die kreditgebenden Banken, unmittelbar beeinträchtigen und die internationalen Finanzmärkte ins Schlingern bringen. Dies war z.B. in 1998 der Fall, als eine Schieflage des Hedge-Fonds LTCM eine Krise des Weltfinanzsystems auslöste.
In der letzten Zeit formiert sich immer größerer Widerstand gegen die Hedge-Fonds bzw. gegen deren intransparente Anlegepraxis. Dazu zählt neben Franz Münteferings berühmter Äußerung auch eine Spiegel-Titelgeschichte vor ein paar Monaten. Da Hedge-Fonds jedoch eine wichtige Finanzierungsfunktion haben, sollte man sie nicht verteufeln, auch wenn es in den vergangenen Jahren viele Schwarze Schafe unter ihnen gegeben hat. Mehr Transparenz auf diesem Gebiet ist jedoch dringend erforderlich, damit die davon ausgehenden Risiken für die Finanzstabilität besser eingeschätzt werden können.





