Euro vs. Dollar

EIN TEXT VON DAVID ISSMER

Die europäische Gemeinschaftswährung setzt zum Höhenflug an, während der Dollar sich im Sinkflug befindet: Gut oder schlecht für Deutschland?

Bei der Einführung des Euro als Buchgeld im Jahr 1999 hatten viele der neuen Währung noch eine ungünstige Entwicklung vorhergesagt. Man erinnere sich nur an die „Partei pro DM“ und die ganzseitigen Zeitungsanzeigen eines Bolko Hoffmann. Sogar der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte den Euro noch als „kränkelnde Frühgeburt“ bezeichnet.

Seit ihrem Tiefstand von 0,83 US-Dollar im Oktober 2000 hat die europäische Währung mittlerweile jedoch um über 80 Prozent auf nun ca. 1,50 US-Dollar aufgewertet. Auch im Vergleich zu den meisten anderen Währungen hat der Euro deutlich zugelegt. Gemessen am Währungskorb der 24 wichtigsten Handelspartner der Euro-Länder hat der Wert der europäischen Währung allein innerhalb der letzten zwölf Monate um acht Prozent zugenommen. Ebenso stark an Wert gewonnen hat der Euro gegenüber dem japanischen Yen: Um über 80 Prozent ist sein Wert seit Oktober 2000 gegenüber der japanischen Währung gestiegen, also in einer ähnlichen Größenordnung wie gegenüber dem US-Dollar. Das liegt vor allem daran, dass Japan - wie auch China - seine Währung in der Praxis weitgehend an den US-Dollar bindet und darüber hinaus eine Politik niedrigster Zinsen betreibt, um die Konjunktur noch weiter zu beschleunigen.

Der starke Euro löst mittlerweile vielerorts Unbehagen aus, weil er die Ausfuhren der Euro-Mitgliedstaaten verteuert  und deren Einfuhren zugleich verbilligt. Der EADS-Konzern etwa spricht schon von einer „Existenzbedrohung“ im Bereich des Flugzeugbaus. Aus diesen Gründen hat der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy wiederholt Maßnahmen zur Verbilligung des Euro gegenüber anderen Währungen gefordert, etwa durch Senkung des Leitzinses. Dabei hat er die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) angegriffen, deren Präsident Trichet diese Attacken stets abgewehrt hat. Doch auch in Deutschland gibt es Forderungen nach einer Abwertung des Euro. Einige Branchen haben Probleme mit dem hohen Außenwert, vor allem die deutschen Automobilhersteller und Maschinenbauer. Der Kursverfall des Dollar verteuert die Exporte in den wichtigen US-Markt immer mehr. Sollte die EZB also besser intervenieren und den Leitzins senken?

Nein. Jedenfalls nicht, weil Politiker oder Unternehmen dies fordern. Hier gilt es die Unabhängigkeit der EZB ganz entschieden zu verteidigen. Doch auch andere Gründe sprechen dafür, den starken Euro in Kauf zu nehmen: Der Höhenflug unserer Währung dämpft die in US-Dollar zu bezahlenden Rohölpreise erheblich. Ohne die Aufwertung des Euro sähe es bei den Preisen an den deutschen Tankstellen und bei den Heizölrechnungen noch viel schlimmer aus als dies schon jetzt der Fall ist. Die Auswirkungen des starken Euro auf die deutschen Exporte halten sich bei uns aber auch deshalb in Grenzen, weil mehr als  60 Prozent unserer Ausfuhren vom gestiegenen Euro überhaupt nicht betroffen sind. Gut 40 Prozent unserer Exporte gehen in andere Euroländer und 20 Prozent in solche EU-Staaten, die zwar den Euro noch nicht eingeführt haben, deren Währungen gegenüber dem Euro aber nur geringe Kursschwankungen aufweisen.

Auch fängt natürlich die derzeit gute Konjunkturlage die Auswirkungen der Euro-Stärke ab. Außerdem ist die Produktstruktur der deutschen Exporte vor allem auf hochwertige Investitionsgüter ausgerichtet, die insbesondere von den aufstrebenden asiatischen Wirtschaftsnationen stark nachgefragt werden. Durch die maßvollen Tarifabschlüsse der letzten Jahre hat sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit dieser Produkte beträchtlich verbessert. Schließlich ist noch darauf zu verweisen, dass vorausschauende Unternehmen sich fast vollständig gegen Wechselkurs-Risiken abgesichert haben. Und nicht zuletzt bei deutschen Urlaubern ist der starke Euro natürlich sehr willkommen: Reisen in viele Länder haben sich verbilligt, vor Ort im Ausland kann der deutsche Urlauber mit einer Hand voll Euro jetzt deutlich mehr konsumieren als noch vor ein paar Jahren. Der Höhenflug des Euro sollte also sorgfältig beobachtet, aber nicht vorschnell verteufelt werden.